Theaterpädagogisches Zentrum Münster e.V.

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48143 Münster

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Theaterspielleitung für StudentInnen u.a.

Theaterspielleiter/in in sozialen, schulischen und ausserschulischen Arbeitsfeldern (13. Lehrgang)

Zielgruppe: Student/innen und andere Interssierte

Dauer: 6 Monate

Start des neuen Lehrgangs: November 2016

Unterrichtstermine: Mittwochs 18.30 – 22.00 Uhr nur im Semester!

I. Einführung

In keinem anderen kulturellen Bereich – sei es Musik, bildende Kunst oder Literatur – findet eine so direkte körperliche und geistige Auseinandersetzung mit der eigenen Person und einem Gegenüber statt wie im Theater.

Die zu gestaltenden Materialien sind die unmittelbaren und menschlichen Verhaltensweisen selbst: Sprache, Bewegung, Mimik, Gestik und Interaktion. Alle diese sind alltägliche Kommunikationsäußerungen.
Im Theater lassen sich alle Inhalte transportieren, alle Aussagen und Gefühle vermitteln, die in zwischenmenschlichen Interaktionen und Aktionen ausdrückbar sind.

Das Theaterspielen ist ein hervorragendes und geeignetes Medium, um auf spielerische Weise Kontakte zu ermöglichen, Inhalte zu vermitteln und neue Erfahrungen zu eröffnen.

Das vorliegende Angebot richtet sich an Menschen, die in sozialen, schulischen und ausserschulischen Arbeitsfeldern arbeiten möchten:

  • theaterpädagogische Arbeit im Freizeitbereich
  • therapeutische Arbeit
  • Arbeit mit Menschen mit Behinderungen
  • Seniorenarbeit
  • Erwachsenbildung
  • Schulen / schulische Sozialarbeit
  • Arbeit mit Randgruppen
  • Präventionsarbeit

Die Fortbildung stellt sich die Aufgabe, spezifische theaterpädagogische Konzepte für die jeweils verschiedenen Anforderungen in den genannten Arbeitsfeldern zu entwickeln und durchzuführen.

II. Ziele

Zentrales Ziel der Fortbildung ist die Förderung und Vertiefung persönlicher Ausdrucksmöglichkeiten und spielerischer Fähigkeiten, die Erprobung und gedankliche Reflexion von Spielprozessen innerhalb einer Gruppe, sowie die Planung und Anwendung spiel- und theaterpädagogischer Methoden und somit die Schulung eigener Spielleitungskompetenzen.

Dieses Ziel soll durch eine praxisorientierte Auseinandersetzung mit interaktiven Prozessen innerhalb einer Gruppe erreicht werden.
Die TeilnehmerInnen lernen Theaterarbeit als pädagogisch-ästhetische Ausdrucks- und Lernform kennen und anzuwenden.

III. Fortbildungsstruktur

Das Angebot umfaßt 100 Unterrichtsstunden.
Der Gesamtzeitraum erstreckt sich über 6 Monate.

Kosten:
650.- € / 580.- € ermäßigt
auch in monatlichen Raten zahlbar.

Termine:

regelmäßig Mittwochs von 18.30-22.00 Uhr (nicht in den Semesterferien!)

Wochenendtermine:
Sa/So 2016  10-17h und 10-14h
Sa/So 2017  10-17h und 10-14h
Sa  2017  10-17 Uhr (Abschlußvorstellung)

IV. Fortbildungsinhalte

1. Die Gruppe wird spielfähig / Übungen zur Gruppenbildung
(Sa/So + 1 Abend)

Im Mittelpunkt steht neben dem Kennenlernen der Gruppe, das Herstellen der eigenen theatralen Spielfähigkeit. Hierzu werden Übungen im Bereich: Warming up – Körperarbeit – Konzentration – Kooperation – Sinnesschulung praktisch kennen gelernt. Das Erfahrene kann unmittelbar in der beruflichen Praxis umgesetzt werden.

2. Grundlagen von Körper und Stimme
(4 Abende)

Authentisches Spiel erleben wir, wenn Körper und Stimme im Einklang sind. Einfache spielerische Übungen zu Körperarbeit, Gestik und Mimik werden ergänzt durch Atem- und Stimmübungen. Im Anschluss erfolgt eine kurze experimentelle Arbeit mit Texten zur Übung der darstellerischen und sprecherischen Ausdrucksfähigkeit

3. Grundlagen der Dramapädagogik und theaterpädagogische Theorie und Praxis
(2 Abende)

Unter Anleitung werden theaterpädagogische Sequenzen entwickelt und im Seminar umgesetzt. Unterstützt wird dieser Prozess durch eine Einführung in theaterpädagogische Theorien und Ansätze, die auch praktisch erprobt werden. Wie entwickelt man eine Figur und wie tritt sie in Kommunikation mit ihrer Umwelt? Ausgehend von Bewegungsmustern, inneren Bildern und Rollenbiografien soll sich in Figuren eingefühlt und ein Figurenprofil erarbeitet werden. Anschließend begegnen sich die Figuren in sehr alltäglichen und sehr absonderlichen Situationen, sie treten in Beziehung zueinander, kommen sich näher und dringen dabei immer tiefer in ihr Innenleben vor. Dabei dienen Texte, Fotos oder Requisiten als Ausgangspunkt.

4. Biografisches Theater
(1 WE)

Im „biografischen Theater“ werden verschiedene Methoden des szenischen Schreibens genutzt, um das Ausgangsmaterial für Szenen zu einem Thema zu gewinnen. Die Teilnehmenden greifen dabei auf eigene Lebenserfahrungen zurück, ohne dabei „privat“ zu werden.
Für die theatrale Umsetzung der Szenen werden die „theaterästhetischen Mittel“ vermittelt und angewandt, so dass bereits nach kurzer Zeit eindrucksvolle Szenenkollagen entstehen können.

5. Grundlagen des Improvisationstheaters
(3 Abende)

Es werden zentrale Grundlagen des Improvisationstheaters geübt wie das Abbauen von Blockaden und das Annehmen von Angeboten der MitspielerInnen, das Öffnen des individuellen Ausdrucksspektrums, das Entwickeln von Spontaneität und der Verzicht auf Vorausplanen, das „Sich-Einlassen“ auf das freie Zusammenspiel mit den anderen.

6. Die SpielleiterIn wird SchauspielerIn / Rollentraining
(1 Sa + 2 Abende)

In diesem Block wird zuerst ganz konkret an der Darstellungsfähigkeit der TeilnehmerInnen gefeilt. Es wird sowohl intensive Einzeltrainings als auch Szenenarbeit geben, die dann in kleinen Schritten analysiert und korrigiert werden.

7. Grundlagen von Regieführung und Inszenierung
(4 Abende)

Unter Anleitung werden die verschiedenen Funktionen und Aufgaben eines/er Regisseur/in, die bei einer konstruktiven und inspirierenden Stückerarbeitung wichtig sind, erprobt und zunehmend allein von den TeilnehmerInnen übernommen.

8. Präsentation der Ergebnisse durch eine öffentliche Aufführung
(1 Sa + 4 Abende)

Die TeilnehmerInnen werden eine kleine Szenen-Revue selbständig entwickeln und zum Abschluss der Fortbildung zur Aufführung bringen. Dabei werden Inhalte der Fortbildung unmittelbar und praktisch zum Einsatz kommen: Improvisationen, Figurenentwicklung, Dramaturgie

Erweiterung der persönlichen Vermittlungsfähigkeiten und -fertigkeiten

Förderung der Selbst- und Fremdwahrnehmung

Da es sich um spielerische Übungen handelt, bei denen es auf unterschiedlichen Ebenen zu gegenseitigen Kontakten kommt, bekommen die Teilnehmerinnen ein neues Verhältnis zu ihrer eigenen Person und anderen Gruppenmitgliedern.

Verbesserung der inneren und äußeren Beweglichkeit

Die unterschiedlichen Übungen dienen ebenfalls dazu, den Körper weicher, flexibler und ausdrucksreicher zu machen. Der Geist wird gleichzeitig wacher, reaktions- und aktionsbereiter. Es handelt sich um keine schematischen Aneignungen sportiver Abläufe, sondern um spielerisch gefärbte Übungen und Bewegungen, von denen manche durchaus zu Elementen einer Inszenierung weiterentwickelt werden könnten.

Kenntnisse über den Einsatz verschiedenster Improvisationsformen und – techniken

Kreativ sein heißt, aus Vorhandenem immer wieder etwas Neues herzustellen, originelle Lösungen zu finden (ohne originell sein zu wollen) und Routinen zu brechen. Der einzelne muss offen sein für die Impulse der MitspielerInnen, eigene Ideen gegebenenfalls zurückstellen und das Bewusstsein einer gemeinsamen Verantwortung für das Gelingen der Szene erfahren.

Kenntnisse über unterschiedliche Spiele und Übungen

Übungen, die das erste Kennenlernen erleichtern, die Vertrauen schaffen, die Ruhe, aber auch Energie bringen, Übungen zum Sehen, Fühlen und Zusammenkommen, Beobachtungs- und Wahrnehmungsspiele, Übungen, die Schwierigkeiten überbrücken helfen im Hinblick auf die Rolle/Figur, den Text oder den Umgang mit einem Bühnenpartner/einer Bühnenpartnerin, rhythmische und kleine szenische Übungen.

Erweiterung des Bewusstseins über das eigene Handeln

Was gehört alles zu einer guten Vorbereitung und Planung und einer sich anschließenden gelungenen Umsetzung? Bestimme ich die Stück- oder Stoffauswahl oder suchen alle gemeinsam nach einem geeigneten Text, der der Gruppenzusammensetzung und – situation entspricht? Strebe ich mit der Theatergruppe überhaupt ein Ergebnis in Aufführungsform an oder geht es primär um Erfahrungen mit Theaterspiel, die keine Vorstellung vor Publikum zum Ziel haben?

Verbesserung der Flexibilität im Umgang mit der eigenen Planung

Eine gute Planung und Vorbereitung ist unverzichtbar. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass ein Festhalten an einem einmal geplanten Programm geradezu kontraproduktiv wirken kann. Was ist, wenn Übungen nicht funktionieren, die Gruppe sie nicht annimmt? Habe ich Alternativen?

Bewusstmachung der beständigen Leitungsfunktionen als Motor, Helfer und Vermittler

Welche gruppenpädagogischen Voraussetzungen für die Theaterarbeit gibt es (Kennenlernphase, Phase von Kontakt und Kooperationen, Vertiefungs- und Reflexionsphase)? Bin ich in der Lage, gruppendynamische Abläufe zu durchschauen und partizipierend zu steuern?

V. Abschluß

Als Abschluß erhalten alle TeilnehmerInnen ein ausführliches Zertifikat, welches den inhaltlichen Verlauf der Fortbildung zum Ausdruck bringt.

VI. DozentenInnen

  • Sophie Bernhardt
    Theaterpädagogin BA
  • Wilhelm Neu
    Theaterpädagoge, Schauspieler, Sozialarbeiter
  • Rike Voswinkel
    Theaterpädagogin, Soziologin

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