Theaterspielleiter/in im Praxisfeld Schule (14. Lehrgang)
Zielgruppe: Lehrer/innen, Referendar/innen, Student/innen und andere Interssierte
Dauer: 8 WE im Zeitraum von 8 Monaten
Beginn: 1./2. Oktober 2011
I. Einführung
In keinem anderen kulturellen Bereich - sei es Musik, bildende
Kunst, Literatur - findet eine so direkte körperliche und geistige
Auseinandersetzung mit der eigenen Person und einem Gegenüber
statt wie im Theater.
Die zu gestaltenden Materialien sind die unmittelbaren und menschlichen
Verhaltensweisen selbst: Sprache, Bewegung, Mimik, Interaktion und
Gestik. Alle diese sind alltägliche Kommunikationsäußerungen.
Im Theater lassen sich alle Inhalte transportieren, alle Aussagen
und Gefühle vermitteln, die in zwischenmenschlichen Interaktionen
und Aktionen ausdrückbar sind.
Gestiegenes Interesse an theaterpädagogischen Inhalten, Methoden
und Anwendungsgebieten gaben uns den Anstoß verschiedene Fortbildungskonzepte
zu entwicklen.
Das vorliegende Angebot richtet sich an Menschen, die im Praxisfeld
Schule leben und arbeiten, an alle, die mit Kindern und Jugendlichen
Theater spielen wollen oder Darstellendes Spiel in der Schule anbieten
möchten.
Die Fortbildung vermittelt eine Basisqualifikation für die
Leitung von Schultheatergruppen und für
den Unterricht in allen
Schulstufen und - formen.
II. Ziele
Hauptziel ist die Förderung und Vertiefung der persönlichen
Ausdrucksmöglichkeiten und spielerischen Fähigkeiten,
sowie die Erprobung und gedankliche Reflexion von Spielprozessen
innerhalb einer Gruppe.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen das Theaterspiel als künstlerische
und pädagogische Ausdrucks- und Lernform kennen und anwenden
und verschiedene spiel- und theaterpraktische Methoden kennen.
Dieses Ziel soll durch die sehr praxisorientierte Auseinandersetzung
mit Spiel- und Probenprozessen innerhalb einer Gruppe erreicht werden.
III. Fortbildungsstruktur
Das Angebot umfaßt 8 Wochenenden mit insgesamt 100 Unterrichtsstunden.
Der Gesamtzeitraum erstreckt sich über 8 Monate.
Termine: Jeweils Samstag 10 - 17 Uhr und Sonntag 10 - 14 Uhr
1. WE : 1./2.10.2011
Die Gruppe wird spielfähig
2. WE : 19./20.11.2011
Entwicklung von Figuren
3. WE : 14./15.01.2012
Der "respektlose" Umgang mit bekannten
Geschichten
4. WE : 25./26.2.2012
Improvisationstheater
5. WE : 24./25.3.2012
Die SpielleiterIn wird SchauspielerIn - Rollenstudium
6. WE : 21./22.4.2012
Regiearbeit als Inszenierungsprozess
7. WE : 19./20.05.2012
Praxis-WE I
8. WE : 16./17.06.2012
Praxis-WE II: Vertiefung und Präsentation der Ergebnisse
Kosten: 680.- € / 600.- € erm. (auch in 8 Raten á x 85.- € / 75.- € zahlbar)
IV. Fortbildungsinhalte
1. WE : Die Gruppe wird spielfähig
Im Mittelpunkt steht neben dem Kennenlernen der Gruppe, das Herstellen
der eigenen theatralen Spielfähigkeit. Hierzu werden Übungen
im Bereich: Warming up - Körperarbeit - Konzentration - Kooperation
- Sinnesschulung praktisch kennengelernt.
Das Erfahrene kann unmittelbar in der beruflichen Praxis umgesetzt
werden.
2. WE : Entwicklung von Figuren
Wie entwickelt man eine Figur und wie tritt sie in Kommunikation
mit ihrer Umwelt? Ausgehend von Bewegungsmustern, inneren Bildern
und Rollenbiografien soll sich in Figuren eingefühlt und ein
Figurenprofil erarbeitet werden. Anschließend begegnen sich
die Figuren in sehr alltäglichen und sehr absonderlichen Situationen,
sie treten in Beziehung zueinander, kommen sich näher und dringen
dabei immer tiefer in ihr Innenleben vor.
Dabei dienen Texte, Fotos oder Requisiten als Ausgangspunkt.
3. WE : Der "respektlose" Umgang
mit bekannten Geschichten
Es sollen mehrere Möglichkeiten gezeigt werden, die als Ausgangspunkt
einer Geschichte dienen und mit denen szenisch weitergearbeitet
werden kann.
Einfach naiv spielerisch mit Texten großer Klassiker umgehen,
sie zerschnippeln, neu zusammensetzen, andere Akzente finden. Alles
ist möglich.
Warum nicht den Respekt vor den Texten der großen Klassikern
verlieren, einfach naiv spielerisch mit ihnen umgehen, sie zerschnippeln,
neu zusammensetzen, andere Akzente finden?
"Romeo und Julia" einmal ganz anders erzählen und
szenisch den SchülerInnen nahe bringen als durch ausschließlich
mühsames Lesen Szene für Szenen, in "Faust"
ganz respektlos neue Dialoge einführen oder "Kabale und
Liebe" als Komödie versuchen.
Alles ist möglich.
4. WE : Improvisationstheater
In dieser Veranstaltung wird den TeilnehmerInnen ein Theaterverständnis
vermittelt, welches ihnen ihre Sprache und Phantasie läßt
und dabei auf ihren Einfallsreichtum, ihre Spontaneität und
Situationskomik setzt.
Übungen zum Herstellen der eigenen theatralen Spielfähigkeit
und zum Zusammenspiel ohne vorherige Absprache stehen im Mittelpunkt.
Auf sehr komödiantische Art streifen wir dabei sämtliche
Theaterformen von klassischer Oper bis zum Boulevardtheater.
5. WE : Grundlagen Schauspiel - Die SchauspielerIn und ihr Instrument
An diesem Wochenende werden schauspielerische Grundlagen erarbeitet.
Atem-
und Stimmbildung, das Entdecken des individuellen Atemrhythmus und der
Umgang mit der eigenen Sprechstimme, Förderung der Körperwahrnehmung,
des Körperausdrucks und der körperlichen Durchlässigkeit, Raum- und
Selbstwahrnehmung, Sensibilisierungs- und Konzentrationsübungen,
Impuls- und Focusübungen, als auch die Arbeit an der inneren und
äußeren Haltung bilden hierfür die Basis.
Anhand von verschiedenen Gruppen- und Einzelübungen wird den
KursteilnehmernInnen ein Einblick in die großen Zusammenhänge der
Grundlagenarbeit gegeben.
Die TeilnehmerInnen werden dazu angeleitet, die Techniken
sowohl an sich selbst zu erfahren als auch auf ihre Lerngruppen zu
übertragen.
6. WE : Rollenstudium / Regiearbeit
Mit jeder TeilnehmerIn werden an diesem Wochenende kurze
Rollenabschnitte intensiv erarbeitet, um die Situation, sich einer
Figur anzunähern, am eigenen Körper zu erfahren und ein Gefühl dafür zu
entwickeln, diese „ Ausnahmesituation “ mit in die eigene Theaterarbeit
einfließen zu lassen.
Es werden verschiedene Methoden zur Erarbeitung einer Rolle
angeboten, der Aufbau einer Szene, die Beziehungen der handelnden
Figuren, und die Bedeutung von Raum und Zeit analysiert.
So werden anhand der eigenen Szenenarbeit
Inszenierungsmöglichkeiten und Regiekonzepte offenbart, die es
ermöglichen, eine Figur auf der Bühne mit Hilfe der individuellen
Fähigkeiten lebendig werden zu lassen.
7. WE : Praxis-WE I
An diesem Wochenende wird die Umsetzung einer vorgegebenen Geschichte zu einem Theaterstück erprobt.
Hierzu
gehören Themen wie: Umschreiben der Geschichte in eine spielbare
Fassung, Entwicklung von Bühnenbild, Einsatz von Musik u.a.
Insbesondere die am 5. und 6. WE erarbeiteten Techniken kommen nun praktisch zum Einsatz.
8. WE : Praxis-WE II: Vertiefung und Präsentation der Ergebnisse
Die TeilnehmerInnen werden ihr selbständig entwickeltes Theaterstück am
Sonntag um 17.00 Uhr im Freundes- und Bekanntenkreis aufführen.
V. Abschluß
Als Abschluß erhalten alle TeilnehmerInnen ein ausführliches Zertifikat, welches den inhaltlichen Verlauf der Fortbildung zum Ausdruck bringt.
DozentenInnen
- Wilhelm Neu
Theaterpädagoge, Schauspieler, Dipl. Sozialarbeiter - Gabriele Brüning
Schauspielerin, Regisseurin, Theaterpädagogin - Anette Fritzen
Theaterpädagogin, Dipl. Sozialpädagogin - Rike Voswinkel
Theaterpädagogin
